Mühlen-Druck-Challenge zum „Tag der Druckkunst“: 25.-28. August

Es gibt einen Neuzugang im „Team Fork and Broom“: eine 70 Jahre alte Druckpresse, gebaut im Traditionshaus Simmel in Pforzheim, wo auch die bekannten KORREX Andruckpressen gefertigt wurden. Geschätzte 400 Kilo schwer ist das gute Stück und sie war seit den 1980-er Jahren Kernstück der Schuldruckerei in dem Ort, wo ich als Kind gelebt hatte. Von Hand gedruckt wurde dort schon einige Zeit nicht mehr und nun sollte der Raum für andere Zwecke nutzbar werden: die alte Dame musste also umziehen und mit ihr auch die anderen Gerätschaften, die von der Schuldruckerei noch da waren – wenn irgend möglich nicht auf den Schrottplatz. Am Ende saß ich am Steuer eines gemieteten IVECOdaily, den Laderaum voller alter, sorgsam verzurrter Schwergewichte, und schipperte alles runde 600 Kilometer von Süd nach Nord. Das war Mitte Mai, und obwohl ich so langsam das Gefühl bekomme, zu alt für diese Art wundervolles Abenteuer zu werden, sind wir allesamt wohlbehalten in Oppenwehe angekommen.

Druckpresse, Simmel 1952

Die Druckpresse ist eine sehr frühe Andruckpresse. Ihr fehlt ein Griff am Handrad und auch sonst hat sie schon dies & das gesehen – nach 7 Jahrzehnten muss das nicht verwundern. Sie hat die wesentliche Funktionalität, um Korrekturfahnen abzuziehen, aber keine Extras. Es gibt kein Farbwerk. Das Einfärben der Druckform muss mit der Handwalze gemacht werden. Darin habe ich viel Übung, denn so habe ich 1998 mit der Buchkunst angefangen. Meine erste Druckpresse war eine KORREX Hannover, und das Farbwerk war zuerst nicht einsatzbereit. Lange hatte ich nicht die Mittel, es in Ordnung bringen zu lassen. Erst 2006 konnten wir das Farbwerk nach Pforzheim zur Maschinenfabrik Simmel bringen, wo es repariert wurde. Bis dahin habe ich alles, was ich gedruckt habe, ob Druckstock oder Bleischriften, mit Handwalzen eingefärbt.

Max Simmel factory in Pforzheim, 2006

Diese alte Druckpresse aus der Schuldruckerei wurde 1952 gebaut, sie ist dieses Jahr also exakt 70 Jahre alt. Wir haben sie durchgecheckt, gereinigt, neu eingestellt. Sie hat einen neuen Aufzug bekommen auf den Druckzylinder und nun ist sie startklar. Sie steht in der Scheune beim Atelier und die Besucher der „Graphik-Scheune auf Zeit“ können sich eigenhändig davon überzeugen, dass mit dieser alten Dame gedruckt werden kann.

Die Scheune neben dem Atelier 2019, vorbereitet für Lesungen

Und das ist die Mühlen-Druck-Challenge bei The Fork and Broom Press:

In den Anfängen des Buchdrucks gab es lediglich Druckerschwärze, aber keine Buntfarben. Alles was im fertigen Werk farbig sein sollte, musste nach dem Druck koloriert werden: von Hand mit Tusche, Aquarellfarben, Guache, Buntstiften oder Kreiden.

Linoldruck von der Schwarzplatte, von Hand koloriert mit Aquarellfarben (Künstlerbuch „Die schöne Lau“, 2009)

Im Mittelpunkt der Ausstellung in der Graphik-Scheune steht die neue Reihe der Mühlengraphiken, Farblinolschnitte, die Mühlen an der Westfälischen Mühlenstraße zeigen. Einer der Druckstöcke aus dieser Reihe wird in der Presse montiert sein, eine Schwarzplatte – zum Druck in Schwarz.

Wer bei dieser Challenge mitmachen möchte, der zieht sich während der Ausstellung in der alten Scheune von 25.-28. August seinen Druck, das heißt einfärben mit der Handwalze und den Papierbogen bedrucken, und gestaltet diesen zuhause farbig aus, wenn die Druckfarbe getrocknet ist (je nach Farbmenge und Temperatur dauert der trockenprozess ein paar Stunden bis 1 Tag). Das fertige Werk kann das einer Einzelperson sein oder das Ergebnis einer Teamarbeit.

Druckpresse, Simmel 1952

Die Teilnehmenden machen dann ein Foto des fertigen Werkes und senden es per eMail zusammen mit dem/den Namen aller am Werk Beteiligten an die spezielle eMailanschrift, die bei The Fork and Broom Press extra für die Challenge eingerichtet wird. Alle Teilnehmenden erhalten diese Adresse vor Ort an der Druckpresse.

Als Ziel für die Mühlendruck-Challenge gibt es drei Stufen:
Stufe 1: 52 individuelle Werke – für das Baujahr der Presse, nämlich 1952
Stufe 2: 70 individuelle Werke – für das Alter der Presse, also 70 Jahre
Stufe 3: nach oben offen
Es dürfen selbstverständlich gerne mehr als 70 Werke werden, sie werden alle eingepflegt – zu Ehren der „alten Dame“.

Druckpresse, Simmel 1952

Auf der Website des Ateliers The Fork and Broom Press wird in der Kategorie „Tag der Druckkunst“ eine spezielle Seite aufgebaut, auf der alle Fotos in der Reihenfolge des Eintreffens eingepflegt werden. Bei jedem Werk werden der/die Namen aller Urheber angegeben. Mit dem Einsenden des Fotos und der Namensangabe erklären sich die Teilnehmenden einverstanden mit der Veröffentlichung von Foto und Namensangabe.

Einsendeschluss ist der 30. September 2022.

Wenn alle Fotos eingepflegt sind und die Seite komplett ist, erhalten alle Teilnehmenden per eMail eine Nachricht, welches Ziel erreicht wurde.